Manche Interessenten fragen uns, warum wir denn im Ausland Hunde retten und unsere Energie nicht für die Vermittlung von Hunden aus deutschen Tierheimen nutzen. Es ist absolut richtig, dass viele Tierheime auch hierzulande voll oder sogar überfüllt sind.

Die wenigsten wissen aber von den Umständen, unter denen Tiere in Süd- und Osteuropa ihr Dasein in Tierheimen, Auffanglagern oder Tötungsstationen fristen müssen.

Während Hunde bei uns, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vornehmlich artgerecht gehalten werden, meist ohne Befristung, ausreichend Futter erhalten, medizinisch versorgt und größtenteils sogar ausgeführt werden, finden wir vor Ort, jetzt explizit in Ungarn, häufig das komplette Gegenteil vor.

Aber gehen wir ein bisschen weiter zurück. Nachstehendes Bild zeigt sich in Ostungarn, wo PCAS tätig ist, vor allem auf dem Land regelmäßig:

Hunde werden hier häufig an der Kette zur Bewachung des Grundstücks gehalten. Teilweise haben sie kein Dach über dem Kopf oder eben eine alte Tonne oder Hütte. Es ist keine Seltenheit, dass die Tiere völlig unterernährt sind, im Allgemeinen in einem schlechten Gesundheitszustand. Immer wieder sieht man auch Hunde, deren Halskette schmerzlich mit der Haut verwachsen ist; ein Zeichen dafür, dass der Hund an der Kette groß werden musste. Gespräche mit genau diesen Haltern zeigen, dass sie die Bedürfnisse des Hundes nicht kennen oder nicht achten: Weder eine regelmäßige Fütterung und Tränkung noch artgerechte Ernährung (häufig wird altes Brot, Küchenabfälle, Maiskolben gegeben), bis hin zum Verstehen der Läufigkeit einer Hündin sind vorhanden.

Möchte man einen Hund nicht mehr, erschlägt oder erschießt man ihn, lässt ihn laufen oder gibt ihn ab.

In Ungarn sind die Städte und Gemeinden verpflichtet, solche frei laufende Hunde in Gewahrsam zu nehmen und sie in eine Auffangstation zu bringen. Häufig handelt es sich dabei um eine Tötungsstation, die dem Hund eine Deadline von meist 14 Tagen gibt, als dass nun auch der Halter zwei Wochen Zeit hat, seinen ggf. entlaufenen Hund wieder abzuholen. Derzeit gibt es ca. 80 solche Einrichtungen in Ungarn. Zwar ist das grundlose Töten eines Wirbeltieres laut dem ungarischen Tierschutzgesetz verboten, dennoch wird es Tag für Tag praktiziert. Staatlich angestellte Hundefänger haben das Recht, die Hunde einzufangen und sie töten zu lassen, wenn sie eine Gefahr darstellen. Dazu zählt schon, wenn sie durch ihr Streunen den Verkehr gefährden.

Getötet wird mit der Schaufel, – aus Zeit- und Kostengründen meist ohne vorherige Narkose – mit T61, das zu Atemlähmung und schrecklichen Krämpfen bis zum Tod führt, oder die Hunde werden erschossen.

In den seltensten Fällen holen Besitzer ihre Hunde wieder ab und nur 5 % der Tötungshunde finden ein neues Zuhause in Ungarn selbst.

Im Verhältnis dazu gibt es nur wenige Tierheime im Land, die eine Betriebsgenehmigung haben. Diese kämpfen mit durchschnittlich 250 Hunden Jahr für Jahr um Zuwendungen der Stadt. Die Gehälter an ihre wenigen Mitarbeiter liegen meist unter dem Sozialhilfeniveau. Im Vergleich dazu bekommt ein Hundefänger für seine Arbeit ca. 12.000 € im Jahr, das Tierheim nur 200 €.

Bis Dezember 2014 wurden die Hunde in der Einrichtung in Nyiregyhaza noch so gehalten: Zugluft, Bodennässe, kein Auslauf, Tag für Tag auf wenigen Quadratmetern eingesperrt, sich an Ort und Stelle entleeren müssen.

Bis zu unserer Kooperation mit der Tötung Hajdunanas wurden die Hunde so gehalten:

Tierschutz ist Bestandteil gewisser Entwicklungsstufen einer Gesellschaft. Für die meisten von uns ist die Kettenhaltung eines Hundes heute völlig surreal; der Hund an sich hat bei uns aber im Laufe der Jahre einen anderen Stellenwert erhalten. Das ist möglich, wenn Bedürfnisse sich ändern.
Galt der Hund vor 100 Jahren noch als „Mittel zum Zweck“, um beispielsweise den Hof zu bewachen, ist er heute bei uns vornehmlich in der Rolle des Begleithundes zu finden. Was heißt das? Wir schaffen uns heute Hunde an, weil wir alleine sind, weil wir uns mehr bewegen wollen, weil wir wollen, dass unsere Kinder mit einem Hund aufwachsen oder weil wir es aus eigener Kindheit kennen, einen Hund an der Seite zu haben und es nicht missen wollen.

Wir nutzen Hunde heute nicht nur, nein, wir geben sogar zurück. Wir achten auf die Auswahl des Futters, kalkulieren Tierarztkosten, wollen ihre Bedürfnisse befriedigen. Wir gehen nicht nur bei Mistwetter spazieren, wir stellen uns sogar samstags auf den Hundeplatz oder blättern in Büchern mit Beschäftigungsideen für Hunde.

Auch in Nyiregyhaza gibt es schon einen Fressnapf-Shop, der von Kunden aufgesucht wird. Man sieht Hunde, die im Winter ein Mäntelchen angezogen bekommen, man trifft Hundebesitzer in der Tierklinik, die alles für ihren Liebling möglich machen möchten.

Bis das Bewusstsein die Masse erreicht, sind noch viele Gespräche mit Städten und Gemeinden notwendig. Gut gemeinte Kastrationsprogramme sind definitiv nicht der Schlüssel zur Lösung der Straßenhundeproblematik.

Das ungarische Tierschutzgesetz respektiert Tiere als fühlende Wesen und sieht es als moralische Pflicht des Menschen, deren Wohlbefinden zu gewährleisten. Das Gesetz verpflichtet jeden Tierhalter, seine Tiere artgerecht zu halten und zu versorgen und die Erfüllung von dessen natürlichen Ansprüchen mindestens einmal täglich zu kontrollieren. Das Recht eines Tieres auf Ruhe und ausreichend Bewegung wird auch ausdrücklich erwähnt. Das Strafgesetzbuch sieht bis zu drei Jahre Haft bei nicht artgerechter Tierhaltung vor.

Wenn das Gesetz heute schon Dinge verbietet wie z. B. einem Tier grundlos Leid zuzufügen, insbesondere es zu quälen, es für den Tierkampf abzurichten, es auszusetzen oder zu verlassen und es nicht ohne triftigen Grund töten zu dürfen, das vor Ort aber Usus ist, dann fehlt es an einer stärkeren Exekutive, die für die Einhaltung sorgt!